Ganz sicher kein Mädchenkram

Heute ist Girls‘ Day. Mädchen aus der 5. bis 10. Schulklasse haben die Chance, in einem Betrieb ihrer Wahl einen Tag lang mit „anzupacken“. Im Kreis Herford hat Inge Brünger-Mylius, Inhaberin und Geschäftsführerin der SMV Sitz- und Objektmöbel GmbH in Löhne, die Schirmherrschaft für den diesjährigen „Zukunftstag für Mädchen“ übernommen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Initiative D21 hatten die bundesweite Aktion im Jahr 2001 ins Leben gerufen.

Unsere freie Mitarbeiterin Vanessa Bellusci (Foto oben) erinnert sich noch gut an den ersten Girls‘ Day in ihrer Schulzeit. 

Sie war ziemlich überrascht, als ihre ehemalige Klassenlehrerin sagte, die Mädchen sollten diesen Tag nutzen, um einfach mal in einen „Männerberuf“ hinein zu schnuppern. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich keine Gedanken gemacht, was ein typischer Männerberuf überhaupt ist. Nach längerem Überlegen stand ihr Entschluss fest: Sie wollte irgendetwas mit Computern machen. Etwas Technisches sollte es sein – ein Männerberuf eben.

Inge-Bruenger-MyliusDer Mädchentag kam und mit ihm die Erkenntnis: Die Welt der Bits und Bytes schien in der Tat eine Männerdomäne zu sein. Vanessa wollte wissen, woran das liegt. Warum wird eine Reihe von Berufen überwiegend von Männern beherrscht? Und warum werden andere der weiblichen Fraktion zugeschrieben? Sie fand Antworten und ist überzeugt, dass Unternehmerinnen wie Inge Brünger-Mylius für Mädchen und Frauen eine wichtige Vorbildfunktion haben.

Typisch männlich. Was heißt das eigentlich? 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Vanessa Bellusci ihr Studium Deutsch als Fremdsprache und Linguistik mit dem Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation erfolgreich beendet. Sie schreibt für REINTEXTUR und heute zum Girls‘ Day:  

Wir waren damals definitiv zu wenig aufgeklärt. Bei der Vorstellung unserer beruflichen Zukunft orientierten wir uns meist an „Bekanntem“, dem Beruf der Eltern oder an den Berufsbildern in unserem Umfeld. Nicht selten spielte es dabei eine Rolle, ob der Beruf dem traditionellen Geschlechterbild der Gesellschaft entspricht.

Solange sich Mädchen allerdings in erster Linie daran orientieren, bleiben ihnen viele berufliche Perspektiven verschlossen. Das wollen engagierte Unternehmerinnen wie Inge Brünger-Mylius ändern. Seit mehr als 20 Jahren führt sie ihren Betrieb erfolgreich in einer von Männer dominierten Branche.

Fachkräfte für morgen gewinnen.   

Mädchen möglichst früh für Berufe zu begeistern, die in der Vergangenheit als typische Männerberufe galten oder in die sie sich nicht hineintrauten. Darum geht es. Inge Brünger-Mylius will Mädchen Mut machen, die gesamte Vielfalt der Berufswelt zu entdecken und auszuschöpfen. Profitieren sollen beide Seiten, sowohl Schülerinnen als auch Unternehmen.

Tatsächlich bewerben sich laut Statistik 30 % der Teilnehmerinnen an einem Girls‘ Day später für ein Praktikum oder eine Ausbildung im selben Betrieb. Das beweist: Unternehmer/innen, die das möglich machen, schaffen echte Perspektiven und fördern die Fachkräfte von morgen.

Im Hause SMV haben die Schülerinnen heute die Chance, einen Blick in die stylischen Büros und Ausstellungräume des Spezialisten für Lounge- und Objektmöbel zu werfen. Wir fragten die SMV-Chefin vorab:

Was lernen die Mädels heute bei SMV?    

Inge Brünger-Mylius: Wir bieten den Mädchen die Möglichkeit, den Ablauf in unserem Warenlager kennenzulernen. Dabei geht es nicht nur um die Anlieferung und Auslieferung der Waren, sondern auch um die Bedeutung und Durchführung der Qualitätskontrolle, die Terminabstimmung und Terminsicherung und um die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Vertriebsinnendienst. Die Mädchen werden also unsere Produkte kennenlernen, sehen worauf es bei der Qualitätssicherung ankommt, mit anpacken und unseren Mitarbeitern über die Schulter schauen. Dabei erhalten sie auch Einblick in die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Unternehmen. Uns ist wichtig, dass die Mädchen nicht nur zuschauen, sondern aktiv dabei sind.

Welche Chancen bietet der Girls‘ Day allen Beteiligten?

Inge Brünger-Mylius: Die Chance, Mädchen bereits sehr früh auf interessante Berufe aufmerksam zu machen. Der Blick hinter die Kulissen gibt ihnen bessere Einblicke, als jede Beschreibung auf Papier oder im Internet. So entdecken die Schülerinnen möglicherweise Talente, auf die sie ohne den Girls’ Day nicht aufmerksam geworden wären und beziehen sie in ihre Berufswahl ein. Zudem lernen die Mädchen die Atmosphäre im Unternehmen kennen, sehen wie ein Arbeitstag abläuft und entdecken vielleicht einen zukünftigen Arbeitgeber. Mit diesem Wissen können sie viel besser entscheiden, ob ein Berufsbild für sie interessant ist oder nicht und ob sie sich bei einem Unternehmen bewerben möchten.

Von diesem Mehr an Wissen und Information bei potentiellen Bewerberinnen profitieren natürlich auch die Unternehmen. Zudem ergibt sich aus dem ersten Kennenlernen oft eine qualifizierte Bewerbung und das ist in Zeiten des Fachkräftemangels selbstverständlich wichtig.

Warum ist Ihnen der Girls‘ Day wichtig?

Inge-Brünger-Mylius: Ich bin der Meinung, dass wir Unternehmen viel aktiver um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werben sollten. Und dafür ist der Girls’ Day eine ausgezeichnete Gelegenheit. Wenn es uns gelingt, gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen früh anzusprechen und für unser Unternehmen zu begeistern, entstehen ausgezeichnete Voraussetzungen für eine spätere Mitarbeit. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Zukunft unserer Unternehmen und der wirtschaftlichen Entwicklung der Region.

Vielen Dank Frau Brünger-Mylius für das Gespräch!

Text: Vanessa Bellusci

Fotos: Vanessa Bellusci, Inge Brünger-Mylius 

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